Eine "Expedition" nach Südtirol im September 2000
Bericht von Jürgen "Ben" Bennöhr, DL1NP
Seit vielen Jahren fahren wir nun schon jedes Jahr im September für vier Wochen nach Partschins, etwa 7 km westlich von Meran. Wir buchen die kleine Ferienwohnung jedesmal gleich für das nächste Jahr. Sonst wären gleich andere Interessenten da.
Nur mit einem Sony ICF7600 und später mit einem Sony ICF-SW55 war es mir dort möglich, die deutschen Funkfreunde in ihren Runden zu empfangen. Leider war die Empfindlichkeit dieser Taschenempfänger nicht sehr gut, und vor allem die Trennschärfe ließ sehr zu wünschen übrig, wenn auch die Abstimmung auf ein kHz genau möglich war. In diesem Jahr wollte ich aber einmal selbst mitmischen und von IN3 (Locator: JN56MJ) aus QRV werden.
Da ich dort keine Drahtantennen spannen durfte, mussten es Kurzdipole sein, wie sie von der Fa. WIMO geliefert werden. Die beiden Dipolhälften sind je etwa 1,70 m lange Alu-Rohre (in zwei Teile zerlegbar) mit Anpass-Spulen auf dem inneren Teilstück und werden an ein Mittelstück angeschraubt, das auf einem etwas dickeren Alu-Rohr von etwa 50 cm Länge befestigt ist. Es gibt drei unterschiedliche Arten von Mittelstücken: v-förmig, gestreckt und vertikal (wobei die eine Dipolhälfte nach oben, die andere schräg nach unten zeigt).
Auf dem Balkon in Fahrdorf wurden mehrere Wochen lang damit Versuche gemacht. Dabei zeigte sich, dass der eingebaute Antennentuner des FT-1000MP zwar die Anpassung auf 40 und 20 m schaffte, auf 80 m aber Probleme hatte. Es musste also ein separater Tuner eingesetzt werden. Ein vorhandener Annecke-KW-Antennenkoppler hatte aber nur einen Ausgang für Zweidraht-Speiseleitungen. Da erinnerte ich mich, dass meine früher benutzte Dentron-Matchbox (heute bei meiner Enkelin DF1SC in Betrieb) einen Balun enthielt, mit dem eine Zweidraht-Speiseleitung angekoppelt werden konnte. Also musste es doch auch umgekehrt gehen. Ich baute also einen vorhandenen 1:4 Balun von Fritzel aus seinem Gehäuse aus und in den Annecke-Tuner ein, so dass ich nun auch einen 50Ω Koax-Ausgang hatte. Mit einem Drehschalter, den ich zusätzlich einbaute, konnte ich auch die Koaxleitung durchschalten und vom Tuner trennen, so dass das lästige An- und Abschrauben der Kabel vermieden wurde. Die Versuche ergaben, dass alle Dipole sich mit einem SWR von 1:1 anpassen ließen. QSOs bestätigten, dass es so funktionierte, wenn auch eine Absenkung der Signale um gut 15 dB gegenüber den normalen Halbwellendipolen erfolgte. Bei Rapporten von S9 + 15 dB war dies belanglos.
Die Abstimmung war aber sehr kritisch und musste für jede QRG ausprobiert werden. Ich legte dazu eine Reihe von Karten an (je eine für jedes Band), um die richtigen Einstellungen von Ant-Anpassung, Abstimmung und TX-Anpassung grob festzuhalten, so dass immer nur noch ein geringes Nachstimmen erforderlich wurde. Schon ein QSY von mehr als 10 kHz nach oben oder unten ließ das SWR über 1,5:1 ansteigen und erforderte ein erneutes Abstimmen. Noch wichtiger war aber das Anpassen der Dipollängen an die jeweilige Sende-QRG. Mit einem MFJ-207, einer Art Grid-Dipper, konnte ich die genaue Resonanzfrequenz feststellen und am Transceiver ablesen. Durch Verkürzen der Alu-Rohre konnte ich mich allmählich an die jeweils niedrigste Frequenz auf jedem Band herantasten. Die abgesägten Rohrstücke wurden durch eine kurze Muffe aus etwas stärkerem Alu-Rohr so verändert, dass ich sie bei Bedarf wieder auf die Strahlerstäbe aufschieben konnte. Wegen der Schmalbandigkeit der Kurzdipole war dies insbesondere auf 80 m erforderlich. Zwar war es immer möglich, auf ein SWR von 1:1 abzustimmen, aber der Wirkungsgrad der Antenne sank beträchtlich, wenn man von der Eigenresonanz-QRG der Antenne abwich. Als auf 80 m einmal der Partner wegen lokalen QRMs ein QSY von 80 kHz vornahm, war trotz exakter Abstimmung das empfangene Signal schon um 5 dB leiser. Der Reisetermin kam immer näher. Nun ging es an den Packplan, denn für 4 Wochen haben ältere Leute sowieso schon eine Menge Gepäck Die zusätzliche Funkausrüstung sollte aber möglichst nicht auffallen. Der Tuner, die ETM5C, das Paddel, diverse Kabel und Werkzeug passten in einen Pilotenkoffer hinein, den ich hinter dem Fahrersitz platzierte. Die Dipolrohre wurden mitsamt den Verlängerungsstücken gebündelt und im Kofferraum ganz an die Rücklehne geschoben, wo hinter den Koffern ein kleiner Hohlraum geblieben war. Die Mittelstücke mit ihren Rohrstutzen fanden noch unter dem Kofferraumboden neben dem Reserverad Platz. Eine Windom, mehrere längere Koaxkabel und Abspannmaterial für den Notfall gingen in die Felgenhöhlung des Reserverads hinein. Weiteres Zubehör wie Netzkabel, Handbuch, Papier, Kopfhörer usw. wurde irgendwo zwischen Wäsche und Schuhzeug getarnt. Damit auch nichts fehlte, machte ich einen detaillierten Packplan, auf dem die einzelnen Gegenstände je nach Verstauungsort farbig unterschiedlich markiert aufgeführt waren. Der FT-1000MP wurde sorgfältig mit Schaumstoff eingepackt und in eine große Plastiktüte gesteckt. Die Schaumstoffteile wurden mit Klebestreifen auf dem Gerät fixiert, was nachher viel Arbeit machte, weil der Klebstoff sich nur mit Azeton wieder vom Gehäuse entfernen ließ. So geschützt passte der Transceiver noch zwischen Koffer und hintere Wand des Kofferraums. Eine fast quadratische weiße Einlageplatte aus einem früheren Küchenschrank ließ sich gerade noch zwischen die Koffer schieben. Sie sollte die Unterlage für die Station bilden. Und so ging am 1. September 2000 die Reise los. Mit dem Autozug, der am Nachmittag ab Hamburg-Altona fuhr, waren wir am nächsten Morgen früh in Bozen und schon gegen 8 Uhr in unserem Quartier.
Nach dem Auspacken des Gepäcks ging ich ab Mittag an den Aufbau der Station. Der leere Pilotenkoffer wurde auf die Seite gekippt und bildete eine recht stabile Basis für die Einlageplatte. Der FT-1000MP wurde darauf gestellt und oben drauf der Annecke-Tuner. Eine 6fach-Steckerleiste stellte an der Steckdose die Stromversorgung sicher. Die ETM5C wurde auf die Seite gekippt und fand so noch rechts neben dem Transceiver Platz. Links war ebenfalls genügend Platz fürs Mikrofon und ein kleines Messgerät mit Diode, das anzeigte, dass wirklich HF ausgestrahlt und nicht etwa in der Matchbox verbraten wurde. Als Erdverbindung führte ein etwa 7 m langes Stück isolierte Antennenlitze zur Zentraleizung in der nebenan liegenden Küche. Eine am Ende angelötete kräftige Klemme sorgte für guten Kontakt. Es zeigte sich, dass die Erdung unbedingt nötig war, weil sonst das Transveiver-Gehäuse HF führte. Etwa 8 m RG58-Kabel, das aus zwei Stücken bestand und in der Mitte durch eine Kupplung verbunden war, ging durch die Tür zum Balkon. Auf der Balkonbrüstung hatte ich eine Klemme angebracht, die eigentlich für das Aufstellen eines Sonnenschirms gedacht war. Ein kurzes Stück Besenstiel wurde in das Alu-Rohr des Antennenmittelstücks gesteckt. So ließ sich die Antenne mit wenigen Handgriffen aufbauen und wieder entfernen. Nun probierte ich zuerst die diversen Mittelstücke und die Dipolstäbe für 80 m aus. Erst im Laufe der Woche folgten die für 40 und 20 m. Einige Probe-QSOs zeigten, dass die vertikale Antennenform am günstigsten war. Leider steigen die Berge der Texelgruppe wenige hundert Meter entfernt in Stufen bis über 3200 m an, so dass DL auf 80 m praktisch nur durch einen Taleinschnitt in Richtung Schwarzwald erreicht werden konnte. In CW klappte es dann mit schwachen Lautstärken auch bis zu DL1MEB in Erding bei München. Die Taste stellte ich dazu auf ein etwas größeres Küchenbrett, auf dem ich auch noch die Schreibunterlage liegen hatte.
Auf 40 m klappte die Verbindung mit DJ2XB in der Eifel und mit GI3GGY in Nordirland in der Dienstagsrunde um 11 Uhr MESZ. Das Tal war nach Osten hin offen und hier gelang auf 20m auf Anhieb ein QSO mit Australien. Aber der Urlaub sollte ja nicht an der Station verbracht werden, sondern wir wollten jeden Tag wandern. So konnte ich praktisch nur die QCWA-Runde am Montag ab 17 Uhr MESZ, die OOTC-Morgenrunde am Dienstag um 8.30 Uhr MESZ, und die CW-Runde am Dienstag um 18 Uhr MESZ wahrnehmen. Auf 80 m wurde ich von DL3WX in Ladenburg und DJ2YI in Schweinfurt gehört, während der viel lauter einfallende DJ7RU im Bayerischen Wald mich nicht hörte. Eine ganz kleine Drehung der Antenne erforderte bereits neues Abstimmen und ergab eine Verbesserung des Empfangs und sicher auch der Abstrahlung für die andere Richtung. So kam es, dass DL6MM, der in OE8 saß, mich manchmal gut, dann aber auch wieder gar nicht hören konnte. Es war immer eine recht knifflige Sache. Dabei konnte ich gelegentlich auf 80m sogar die Leitstationen DJ5ND und DL9AR im Raum Hannover verstehen, wenn nicht gerade örtliches QRM herrschte. Auch war auf 80 m ständig das Klicken eines Weidezaun-Gerätes zu hören.
Die Antenne wurde nur zu den Zeiten aufgesteckt, wenn ich arbeiten wollte. In der übrigen Zeit lagen alle Rohre und Mittelstücke auf dem Balkon, und das Koaxkabel wurde an der Kupplung aufgetrennt und die eine Hälfte ins Zimmer hereingenommen. Zur Unterdrückung von Mantelwellen hatte ich außerdem eine selbst gebaute Ringkerndrossel (nach Rothammel, 10. Auflage, S.142) unmittelbar am Mittelstück eingeschaltet. Nachteilig war sicher, dass das obere Dipolende nur wenige cm vom Dachüberstand entfernt und das untere fast in den Geranien auf der Balkonbrüstung lag.
Die angefügten Bilder mögen dies alles veranschaulichen.
Abbau und Rücktransport verliefen ohne Probleme. Zurück bleibt die Erinnerung an eine im Prinzip gelungene Expedition, wenn auch der Aufwand sich kaum gelohnt hat. Dafür haben wir aber bei schönstem Sommerwetter lange Wanderungen gemacht und wie jedes Jahr an Kondition für den Winter gewonnen.